Bolivia Nr. 158
August 2009
(44 Seiten, erschienen am 18.08.2009)

Inhalt
Von der Buchstabensuppe zur oppositionellen Einheitsfront
     Bündnisse und Präsidentschaftskandidaten im Vorwahlkampf

Die Opposition vor der Qual der Wahl
Indigene Autonomie in Bolivien
- Der Wahlkampf hat begonnen
Die bolivianische Wirtschaft im Sog der globalen Wirtschaftskrise
- Handelsbilanz-Überschuss um fast ein Drittel geschrumpft
- Unsichtbar und doch äußerst wirklich:
     Minderjährige Hausangestellte in Bolivien
- Leben auf der Höhe
     Herzkranke Kinder in Bolivien haben neue Lebenschancen
- Kultur-Elixier Kokablatt
- Kallawaya: Wanderärzte
     Ein immaterielles Weltkulturerbe aus Bolivien
- Sand im Getriebe?
     Fair Trade mit Bolivien boomt, doch ProduzentInnen haben nicht viel davon
- Titel: Dokumentation des Baure
     Eine bedrohte Sprache unter die Lupe genommen

 


Auszüge aus den Beiträgen

 

Von der Buchstabensuppe zur oppositionellen Einheitsfront
Bündnisse und Präsidentschaftskandidaten im Vorwahlkampf

Nach der Klärung der Bedingungen für die von der neuen Verfassung vorgeschriebenen Neuwahlen des Präsidenten und der Plurinationalen Versammlung (des Parlaments) (s. Bolivia 157, S. 3-6) stürzten sich die Politiker in die Vorbereitungen des Wahlkampfs, in das Schmieden von Wahlbündnissen und die Erarbeitung von Erfolg versprechenden Wahlaussagen. Die Herausforderung dieser Wahl brachten längst in der ewigen Versenkung geglaubte Parteien wieder in Aktion. Nach dem in Bolivien erprobten Gesetz der Spaltung entstanden und entstehen immer weitere Parteiengebilde und Grüppchen, die sich schließlich wieder irgendwie zusammenfinden müssen, um eine minimale Chance zu haben, letztendlich ein paar Parlamentssitze oder gar einen Zipfel der Macht zu ergattern.
Politische Suchbewegungen der alten immer neuen Parteien
Die gut vier Monate von April bis August waren für die schon reichlich geteilte Opposition ein sehr kurzer Zeitraum, um sich zu einem schlagkräftigen Oppositionsbündnis oder zu wenigen klaren Wahlformationen hin zu entwickeln. Der Artikel 112 des Wahlgesetzes schreibt vor, dass sich die Kandidaten für die Präsidentschaft, Vizepräsidentschaft und für das Parlament bis 90 Tage vor dem Wahltermin einschreiben müssen. Diesmal ist der 7. September der Endtermin für die Einschreibung. Einige Parteien fingen unter dem Zeitdruck erst einmal an, ein Wahlprogramm zu entwerfen, andere begannen gleich mit der Suche nach politischen Allianzen. Mitte Juni gab es bereits 17 Bündnisse, die die rechtlichen Voraussetzungen für eine Beteiligung an der Wahl erfüllten, und 16 verschiedene Programme. Die Regierung mit ihrer deutlichen Mehrheit im Parlament und der hohen Popularität ihres Präsidenten Evo Morales konnte gelassen zuschauen, wer da alles mit welchen Versprechen in die politische Arena drängt.
...

(Der vollständige Artikel ist in der aktuellen Ausgabe zu lesen.)


Die Opposition vor der Qual der Wahl
Die heiße Zeit der Wahlkampagne für die Präsidentenwahlen in Bolivien hat begonnen. Während die MAS geschlossen hinter Evo Morales steht, kristallisiert sich bis jetzt noch kein Kandidat der Opposition heraus, der als ernsthafter Gegner für die jetzige Regierung angesehen werden kann. Hinzu kommt, dass die Führer der oppositionellen Gruppierungen durch verschiedene Maßnahmen der Regierung bei ihrer politischen Tätigkeit massiv behindert werden.
Auf der einen Seite wird mit juristischen Mittel Druck auf die Opposition ausgeübt. Zurzeit sind gegen fünf Präfekten der Opposition Justizverfahren wegen angeblichem Amtsmissbrauch oder Korruption eingeleitet worden, von denen keines, bis zum heutigen Zeitpunkt abgeschlossen wurde oder auch nur ein Ende absehbar wäre. Im Fall des Präfekten von Tarija, Mario Cossio, versuchte das Ministerium für Antikorruption und Transparenz während der dreijährigen Amtszeit insgesamt zwölf Mal, ein Verfahren wegen Irregularitäten bei der Ausübung seiner Amtsgeschäfte zu initiieren. Ähnlich erging es dem Präfekten von Beni, Ernesto Suarez, der sich gegen Vorwürfe der Korruption zu Wehr setzen musste. Einen besonders eklatanten Verstoß gegen rechtsstaatliche Prinzipien stellt der Fall von Leopoldo Fernandez dar, dem Präfekten von Pando, der seit dem 16. September 2008 im Gefängnis gehalten wird, ohne dass es zur Anklage gekommen wäre. Last but not least hat die Regierung Morales versucht, den Präfekten von Santa Cruz, Ruben Costas, in die Nähe angeblicher Terroristen zu rücken, die unter dubiosen Umständen in einem Hotel in Santa Cruz von Sicherheitskräften erschossen wurden. Dieser Vorfall reiht sich ein in eine mittlerweile lange Liste von Umsturzversuche, die der Opposition zur Last gelegt werden und als permanente Drohung und Einschüchterung der Opposition dienen. Mit diesem Politikstil nähert sich die Regierung Morales immer mehr der Strategie des venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez an und riskiert damit in zunehmendem Maße, vom Weg der Demokratie abzukommen.
...

(Der vollständige Artikel ist in der aktuellen Ausgabe zu lesen.)


Indigene Autonomie in Bolivien
Evo Morales erlässt ein Dekret, um am 6. Dezember ein Referendum abzuhalten, durch das die Gemeinden den Status "indigene Autonomie" erhalten können. "Das ist die Zurückweisung der Strukturen internen Kolonialismus', die Durchbrechung der ökonomischen, der politischen und kulturellen Macht. …Wir beschließen die indigene Autonomie, um die Ketten der Unterwerfung unter die politische, kulturelle und koloniale Macht definitiv zu zerstören." (Zitat des Ministers für Autonomien Carlos Romero)
Am 2. August wird in Bolivien der Día del Indio, der "Tag des Indio", begangen, der zum Gedenken an die Agrarreform von 1953 eingeführt wurde, durch die Indigene und Bauern Land bekamen. Der Präsident Evo Morales wählte diesen symbolischen Tag, um in einem offiziellen Akt in Camiri ein Dekret und ein Projekt im Sinne des Gesetzes (Dezentralisierungs- und Autonomiegesetz) zu verabschieden. Dieses Dekret autorisiert die Gemeinden dazu, Referenden durchzuführen, um zu bestimmen, ob sie eine indigene Autonomie werden möchten. Das Referendum wird am 6. Dezember, zusammen mit den Präsidentschaftswahlen, stattfinden.
...

(Der vollständige Artikel ist in der aktuellen Ausgabe zu lesen.)


Die bolivianische Wirtschaft im Sog der globalen Wirtschaftskrise
Dass die Vertreter der 20 mächtigsten Staaten in London zusammenkamen, um sich auf Wege aus der Krise zu einigen, hat im weltwirtschaftlich unbedeutenden Bolivien keine Schlagzeilen ausgelöst, obwohl die Auswirkungen der globalen Krise auch hier spürbar werden. Die Morales-Regierung hat mehrfach erklärt, das Land sei weitgehend von den Erschütterungen des Weltkapitalismus immun. Das steht in krassem Widerspruch zu einer Wirtschaftspolitik, die sich in den letzten Jahren fast nur noch auf den Export traditioneller, nicht erneuerbarer Rohstoffe (Gas, Bergbau) und die Verteilung der daraus erwachsenen, verstaatlichten Überschüsse verlassen hat.
Haushaltsüberschuss und Steigerung der Armutszahlen
Boliviens Volkswirtschaft ist stark abhängig von Weltmarktpreisen - und deren Schwankungen -, denn es exportiert immer noch und wie schon immer vor allem Rohstoffe: Zu den wichtigsten zählen Gas, Erdöl, Kupfer, Zinn, Silber, und Soja. Solange die Preise für diese Rohstoffe im weltweiten "commodity boom" der letzten Jahre hoch waren, verzeichnete die bolivianische Wirtschaft beeindruckende Export- und Fiskalüberschüsse. Diese gingen aber fast ausschließlich auf die gestiegenen Weltmarktpreise und nicht auf gestiegene Produktionsvolumen zurück.
...

(Der vollständige Artikel ist in der aktuellen Ausgabe zu lesen.)

 


Dokumentation des Baure
Eine bedrohte Sprache unter die Lupe genommen

Am 8. Dezember vergangenen Jahres feierte die Kleinstadt Baures, die im äußersten Nordosten Boliviens liegt, ihren 300. Gründungstag. Begangen wurde dieses Ereignis, zu dem sogar die nationale Presse ihren Weg in den abgelegenen Ort gefunden hatte, mit einem einwöchigen Fest. Das Programm, das die zentrale Prozession der Dorfheiligen umrahmte, bot den Einheimischen und Besuchern viele Höhepunkte: Auf der Kakao-Messe konnten die verschiedenen Erzeugnisse dieses wichtigen Exportproduktes probiert werden; die Kunsthandwerker präsentierten ihre hergestellten Hängematten und Taschen; unzählige Tänzer boten dem Publikum einen Ausschnitt aus der reichen Tradition des Ortes und die jungen Männer stellten ihre Fähigkeiten beim Bullenreiten unter Beweis.
Anwesend bei diesem, für die Einwohner von Baures, historischen Ereignis waren auch vier Mitarbeiterinnen der Universität Leipzig. Die Linguistinnen Dr. Swintha Danielsen, Femmy Admiraal und Lena Terhart sowie die Ethnologin Franziska Riedel führen seit August letzten Jahres das Forschungsprojekt "The Documentation of Baure - an Amazonian Language of Bolivia" durch. Anliegen dieses Projektes, das eine Zusammenarbeit der Institute für Ethnologie und Linguistik der Universität darstellt, ist die Dokumentation der vom Aussterben bedrohten indigenen Sprache Baure. Sie gehört zu den Arawak-Sprachen, einer der am weitesten verbreiteten Sprachfamilien in Südamerika und wird fast ausschließlich in Baures und den umliegenden Dörfern, sowie in den weiter entfernten Orten San Joaquín und El Carmen gesprochen.
ikanischen Identität. In gewisser Weise kann man mehrere Ziele dieses Projekts mit dem Modell vergleichen, das heutzutage als erfolgreichstes Integrationsmodell der Welt bezeichnet wird: der Europäischen Union.
...

(Der vollständige Artikel ist in der aktuellen Ausgabe zu lesen.)