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Mit
Fasten zum Sieg
Nach schwierigem Kompromiss mit der Opposition kann Evo Morales die Wahlen
im Dezember durchführen
Gegen Ende der christlichen Fastenzeit eskalierte der Streit um das in
der neuen Verfassung festgelegte Datum und die Bedingungen für die
ersten allgemeinen Wahlen nach der Abstimmung über die neue Verfassung
(s. die Artikel darüber in Bolivia 156 und Artikel "Umstrittene
Erde" in diesem Heft!) Nach einem sechstägigen Hungerstreik
des Präsidenten, parlamentarischen Tumulten und zähen Marathon-Verhandlungen
der Regierung mit Vertretern der Opposition gelang es, einen Kompromiss
zu erzielen, der die Durchführung der in der Verfassung festgelegten
Dezemberwahl garantiert, zugleich aber wichtige Forderungen der Opposition
erfüllt.
Hungerstreik als Mittel der Politik
Seit den Tagen des glücklosen Präsidenten Siles Zuazo (1982-1985)
hat es das noch nicht wieder gegeben: Ein Präsident tritt in einer
wohlgeplanten Aktion in einen Hungerstreik, um die Durchsetzung seiner
Politik zu erzwingen. Um Ostern bewies Evo, dass auch er mit diesem Mittel
"moralischen" Druck auszuüben in der Lage ist. Sogar große
deutsche Blätter von BILD bis SZ widmeten sich diesem Thema. In der
größten aller deutschen Presseprodukte konnte man am 13.4.
Evo Morales auf einem perfekten PR-Foto zu sehen. In größtmöglicher
Aufmachung liegt da Evo - tief gebräunt und strahlend wie immer -
adrett gekleidet etwas erhöht auf einer Matratze im Präsidentenpalast.
Die Rechte erhebt er zur Geste des Staatsmannes, der den Weg in die Zukunft
weist, die Linke liegt entspannt auf dem unteren Teil seines Brustkastens,
wo wir den (am 5. Tag) schon ordentlich geschrumpften Magen vermuten.
Nur das an sich vornehme Oberhemd erweckt mit seinen grau-weißen
Streifen Assoziationen von Gefangenschaft und Leiden.
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(Der vollständige Artikel ist in
der aktuellen Ausgabe zu lesen.)
Überfall
auf das Haus von Ex-Vizepräsident Cárdenas
Am 7. März 2009 stürmten Hunderte von Dorfbewohnern das Landhaus
des Ex-Vizepräsidenten Víctor Hugo Cárdenas. Sein Anwesen
liegt in der Provinz Omasuyo, die zur Gemeinde Sank`ajawira gehört,
ca.70 Kilometer von La Paz entfernt gelegen. Die aufgebrachte Menschenmenge
zerrte die sich im Haus aufhaltenden Familienmitglieder, darunter seine
Frau, seine Cousine und seine beiden Söhne, unter Peitschenhieben
und Steinwürfen auf die Straße. Die Söhne wurden später
mit Verletzungen in das städtische Krankenhaus eingeliefert. Danach
versuchten die Eindringlinge, das Haus zu plündern und in Brand zu
stecken. Anschließend wurde eine fiktive Beerdigung mit einer Puppe
inszeniert, der ein Schild um den Hals gebunden war, auf dem "Verräter"
und "Ich habe nichts für meine Leute getan" geschrieben
stand. Cárdenas selbst blieb von den Angriffen verschont, da er
sich zur Zeit des Überfalls nicht zu Hause aufhielt.
Die Polizei erschien zwar am Ort des Geschehens, griff jedoch nicht ein,
sondern wartete in rd. 200 Metern Entfernung auf Verstärkung. Schon
früher war aus dieser Gemeinde von Gewalttätigkeiten berichtet
worden. Im November 2007 hatten die so genannten "Ponchos Rojos",
paramilitärisch ausgerüstete indigene Milizen mit engen Beziehungen
zu Evo Morales, Hunde gefoltert und enthauptet. Diese Aktion war damals
als Warnung an die Präfekten der Opposition gerichtet.
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(Der
vollständige Artikel ist in der aktuellen Ausgabe zu lesen.)
Umstrittene
Erde
Zusammen mit der Annahme der neuen Verfassung am 25.1.2008 (siehe Bolivia
156) wurde auch über die Höchstgrenze der Grundstücksflächen
entschieden. Nach dieser Abstimmung kamen eine Menge von Bodenkonflikten
erst richtig zu Tage, die nun in einem langen und komplizierten Prozess
gelöst werden müssen. Der Fall Víctor Hugo Cárdenas,
zeigt, dass nicht mehr klar zwischen Haus- und Bodenbesitz unterschieden
wird und ein verdienter Protagonist indigener Rechte nicht vor ideologisch
drapiertem Raub geschützt ist.
Die Kampagne der Regierung
Schon bei der Kampagne der Regierung für die Maximalgröße
von 5000 ha konnte der Wähler bei der Befassung mit den Details feststellen,
dass die Neuregelung nicht rückwirkend gelten dürfe. Alle seit
der Revolution von 1952 bestehenden Großgrundbesitze von bis zu
50.000 ha pro Familie sollten also unangetastet bleiben - was natürlich
den Neuverteilungsspielraum (ohne Brandrodung) von agrarisch nutzbaren
Flächen schon erheblich einschränkte. Hier wurden von der Regierung
zu große Hoffnungen erweckt. Präsident Morales reiste im Lande
umher und verkündete überall, die Latifundienbesitzer müssten
nach der Annahme der Verfassung und der Regelung der Agrarflächen
den "Überschuss" ihrer Ländereien an den Staat zurückgeben.
Nach dieser Denkweise müsste zum Beispiel Isaac Ávalos aus
Santa Cruz von seinen 100.000 ha 95.000 ha dem Staat abgeben, der sie
an Bauern ohne Land verteilen würde.
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(Der vollständige Artikel ist in
der aktuellen Ausgabe zu lesen.)
Gringuero
oder marginalisierter Mann?
Reflexionen zu Migration und Gender-Identitäten
Lateinamerikanische Männer werden hierzulande gern mit dem vordergründigen
Bild des "macho" assoziiert, der seine Männlichkeit in
übertrieben-präpotenter Art zur Schau stellt während weiße
"gringas" in Lateinamerika nicht selten mit permanenter Anmache
und idealisierten Vorstellungen von Europa konfrontiert werden. Wie sich
bi-nationale Liebesbeziehungen an diesen vereinfachenden Stereotypen reiben
und welche Auswirkungen die resultierende Migration auf das (geschlechtliche)
Selbstverständnis der Partner haben kann, möchte der folgende
Artikel thematisieren.
Auch wenn (entgegen populistisch-rechten Horrorszenarien) tatsächlich
nur ein sehr kleiner Teil der Weltbevölkerung auswandert und sich
diese Migration noch dazu meist innerhalb der eigenen Landes- oder Erdteilgrenzen
abspielt, muss doch anerkannt werden, dass transnationale Lebenswege
heutzutage kein Ausnahmefall mehr sind. Studienaufenthalte, Arbeitsmigration
und Flucht führen dazu, dass immer mehr Menschen zumindestens einen
Teil ihres Lebens im Ausland verbringen, eine Tatsache, die das Entstehen
bi-nationaler Liebesbeziehungen begünstigt.
Geht man nun davon aus, dass Geschlechter-Identitäten etwas sind,
das sehr stark durch das sozio-kulturelle Umfeld geprägt wird, dann
ist es klar, dass solche partnerschaftlichen Konstellationen die "eigenen"
Vorstellungen von Geschlecht und Geschlechterrollen in Frage stellen
und komplexe Aushandlungsprozesse in Gang setzen können. Derartige
Beziehungen führen gleichzeitig sehr deutlich vor Augen, wie stark
Geschlechtsidentitäten nicht nur von der ethnischen Zugehörigkeit,
sondern auch von der gesellschaftlichen Stellung der Partner im Herkunfts-
und Aufnahmeland abhängt und wie sehr auch hier (post)koloniale Machtverhältnisse
zum Tragen kommen. Auf der Basis von sieben Interviews mit bolivianischen
Männern und mitteleuropäischen Frauen, die in einer bi-nationalen
Beziehung leben sowie jahrelangen persönlicher Beobachtungen möchte
ich nun einige der Aspekte skizzieren, die sich hier im Zusammenhang mit
Migration ergeben.
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(Der vollständige Artikel ist in
der aktuellen Ausgabe zu lesen.)
Perspektiven
südamerikanischer Integration - innerhalb und außerhalb des
Kontinents
Die lateinamerikanischen Integrationsprojekte, die man bis vor ein
paar Jahren kannte, hatten ihre Schwerpunkte im Handelsbereich, da gab
es auf der einen Seite die Comunidad Andina de Naciones (CAN, Andengemeinschaft)
und auf der anderen Seite den Mercado Común del Sur (MERCOSUR,
Gemeinsamer Markt des Südens). Beide teilten den Kontinent in zwei
große Blöcke. Schon seit vielen Jahren sprach man von der Möglichkeit,
einen einzigen dritten Block zu bilden, der es erreichen würde, alle
südamerikanischen Länder einzubinden. So wird Ende 2004 offiziell
die Bildung der Comunidad Sudamericana de Naciones (CSN, Südamerikanische
Staatengemeinschaft) unterschrieben, die die beiden übernationalen
Blöcke sowie Chile, Surinam und Guyana eingliedert. Zum ersten Mal
in der Geschichte etabliert sich eine Instanz, der die zwölf südamerikanischen
Staaten als Mitglieder angehören. 2007 nimmt die CSN den Namen Unión
Nacional del Sur (UNASUR) an.
Ihr Hauptziel ist es, gemeinschaftlich auf folgenden Gebieten mehr Verbindungen
zu erreichen, als man es bisher in Südamerika geschafft hat: Im ökonomischen
Bereich: eine ökonomische Kooperation, die Entwicklung und Wachstum
der schwächsten Mitglieder ermöglicht, energetische, industrielle,
kommerzielle und finanzielle Integration. Im sozio-politischen Bereich
nahm man sich vor: die Erstarkung als übernationaler Block, die Entwicklung
seiner verschiedenen Mitglieder, der Kampf zur Gewährleistung von
Frieden und Sicherheit sowohl innerhalb der Nationen als auch zwischen
den verschiedenen Nationen, den Umweltschutz, der Kampf für soziale
Gleichheit, die Verbesserung der Bildung, die Förderung der kulturellen
Vielfalt und schließlich die Konstruktion einer gemeinsamen südamerikanischen
Identität. In gewisser Weise kann man mehrere Ziele dieses Projekts
mit dem Modell vergleichen, das heutzutage als erfolgreichstes Integrationsmodell
der Welt bezeichnet wird: der Europäischen Union.
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(Der vollständige Artikel ist in
der aktuellen Ausgabe zu lesen.)
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