Bolivia Nr. 156
Februar 2009
(40 Seiten, erschienen am 02.02.2009)

Inhalt
Bolivien stimmt für die neue Verfassung
- La Constitución de los jóvenes
- Die neue Verfassung und die Agrarreform
- Críticas a la NCPE en el tema hidrocarburos
- Ein Adieu dem Analphabetismus
- ATAMIRI - Aymara als Grundlage eines vielsprachigen Übersetzungsprogramms
- Das indianische Bolivien - heute und in der Zukunft
- Kurzmeldungen
- 18 Löcher und grünes Gras
     Der Welt höchster Golfclub liegt in Bolivien
- Wo Stiere und Kartoffeln tanzen
     Fruchtbarkeit, Tanz und Trachten in den bolivianischen Zentralanden

 

Auszüge aus den Beiträgen

 

Bolivien stimmt für die neue Verfassung
Der 25. Januar 2009 dürfte als bedeutendes Datum in die Geschichte Boliviens eingehen: An diesem Tag fanden gleich zwei große Volksabstimmungen statt und brachten gute bis sehr gute Resultate für die Projekte der Regierung Evo Morales. Die Abstimmung über die Verfassung fand die Zustimmung von über 61% der Bolivianer (die genauen Endergebnisse standen im Augenblick der Drucklegung dieser Nummer noch nicht fest), die über die Höchstgrenze der Grundstücksflächen legte letztere - auch im Sinne der Regierung - auf maximal 5.000 ha fest (statt 10.000, wie von einigen Großgrundbesitzern gefordert), und zwar mit einer Zustimmungsrate von ca. 80%.
Feiern aus entgegengesetzten Motiven
Kurz vor 9 Uhr Abends trat der Präsident mit seinen engsten Mitarbeiter auf den mit einem leuchtend roten Tuch drapierten Balkon seiner Residenz und erklärte der versammelten Menge auf der Plaza Murillo den Sieg in beiden Referenden. Die "sofortige Wiedergründung des bolivianischen Staates" sei damit gegeben. Der Kampf des ganzen Volkes, besonders der indigenen Landarbeiterbewegung, sei nicht vergeblich gewesen. Diese sei der "am meisten ausgeschlossene, marginalisierte und gedemütigte Sektor in der Zeit der alten Republik" gewesen, nun werde er endlich anerkannt. "Seit 2005 bis heute schreiten wir von Triumph zu Triumph, die Neoliberalen, die Vaterlandsverräter werden ständig geschlagen dank der Wachsamkeit des bolivianischen Volkes," meinte der Staatschef. Der alte Kolonialstaat sei an sein Ende gelangt, eine neue Republik beginne. Der Neoliberalismus sei geschlagen. Heute seien die Naturschätze für immer wiedergewonnen und "kein neuer Präsident könne (sie) den Transnationalen versteigern und ausliefern." Heute sei die Rente und der "Bono Juancito Pinto" (ein finanzieller Anreiz für die Masse der ärmeren Schüler) gesichert, ebenso die grundlegende Versorgung mit Wasser, Telefon, elektrischer Energie als nicht dem Kommerz auszuliefernde Menschenrechte.
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(Der vollständige Artikel ist in der aktuellen Ausgabe zu lesen.)


Críticas a la NCPE en el tema hidrocarburos
En la Nueva Constitución Política del Estado (NCPE) se trata el tema de los hidrocarburos en los articulos 359 a368. De acuerdo a algunos especialistas en el tema el trato a los Recursos Naturales en la NCPE es la parte débil del documento, se nota un aumento sustancial en el número de artículos respecto a la Consitución Política del estado (CPE) vigente (411 vs 234) revelando con esto su apego a la coyuntura política, ideológica y económica actual y caracterizada por un sentido absolutista y autoritario.
Artículo 359
I. Los hidrocarburos, cualquiera sea el estado en que se encuentren o la forma en la que se presenten, son de propiedad inalienable e imprescriptible del pueblo boliviano. El Estado, en nombre y representación del pueblo boliviano, ejerce la propiedad de toda la producción de hidrocarburos del país y es el único facultado para su comercialización. La totalidad de los ingresos percibidos por la comercialización de los hidrocarburos será propiedad del Estado.
II. Ningún contrato, acuerdo o convenio, de forma, directa o indirecta, tácita o expresa, podrá vulnerar total o parcialmente lo establecido en el presente artículo. En el caso de vulneración los contratos serán nulos de pleno derecho y quienes los hayan acordado, firmado, aprobado o ejecutado, cometerán delito de traición a la patria.
Fransisco Zaratti, el ex delegado presidencial para la revisión de la capitalización, comenta que en la NCPE (Nueva Constitución Política del Estado) se han modificado los términos"yacimientos de hidrocarburos" por "hidrocarburos" y "dominio" por "propiedad". Considerando la segunda pregunta que se hizo en el referendum vinculante del gas acerca de la recuperación de la propiedad de todos los hidrocarburos en boca de pozo (el punto donde comienza el transporte de los mismos) para el Estado boliviano" Zaratti critica la ambigüedad del NCPE ya que el dia que YPFB (empresa estatal - yacimientos petrolíferos bolivianos) quiera vender GLP producido en planta o gas domiciliario no estaría violando este artículo dado que ambos son hidrocarburos.
Asimimo el ingeniero petrolero, especialista en temas de hidrocarburos, Carlos Miranda Pacheco criticó este artículo comentando que en la línea "el Estado es el único facultado para su comercialización" y "propietario de todos los ingresos" habría que entender "gobierno de turno" como Estado, que podrá disponer de esos ingresos según su mejor saber y entender. No está claro además, como se puede "comercializar" una propiedad que es inalienable, sinónimo de instranferible añade Zaratti. Lo que si está muy claro en la NCPE es que los hidrocarburos pertenecen al Estado pero se precisa de contratos de servicio que en ningún caso pueden comprometer la propiedad estatal. La política de hidrocarburos es prerrogativa del Estado: Articulo 360: El Estado definirá la política de hidrocarburos, promoverá su desarrollo integral, sustentable y equitativo, y garantizará la soberanía energética.
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Ein Adieu dem Analphabetismus
Am 20. Dezember 2008 feierte Bolivien ein großes Fest der besonderen Art: Nach einer fast dreijährigen Kampagne ist es gelungen, das Land vom Analphabetismus zu befreien. 96 % der Bevölkerung im Alter von 15 - 80 Jahren (die Mehrheit von ihnen zwischen 40 und 60 Jahren) können nun lesen und schreiben, die verbleibenden 4 % sind dafür entweder zu alt oder gesundheitliche Probleme sind dafür verantwortlich, dass sie nicht an der Kampagne teilnehmen konnten. Pablo Quisbert, dem Koordinator des Programms "Ja, ich kann" wies darauf hin, dass nach den Normen der UNESCO ein Land dann als vom Analphabetismus befreit gilt, wenn diese 96 % erreicht sind. Für Bolivien bedeutete dies, dass über 824.000 Menschen das Programm erfolgreich durchlaufen haben. Damit ist Bolivien Ende 2008 nach Kuba (1961) und Venezuela (2005) das dritte Land in Lateinamerika, das diese Aufgabe gemeistert hat. Auch Länder in der Region mit großen Volkswirtschaften, wie Chile, Argentinien oder Brasilien haben das noch nicht geschafft.
Der lange Weg zur Alphabetisierung
Vor hundert Jahren war der Anteil der Analphabeten in Bolivien bei 85 %, das heißt, praktisch die gesamte indigene Bevölkerung hatte keinen Zugang zur Schule. Bis 1950 war dieser Prozentsatz auf 70 %, 1976 auf 40%, 1992 auf 20% gefallen. Im Jahre 2001 waren es aber immer noch 13,3 % der Bevölkerung, die weder lesen noch schreiben konnten. Die Alphabetisierung nach der Revolution von 1952 beschränkte sich lediglich auf die Kinder.
Die Kampagne - Höhepunkte und Schwierigkeiten
Für die Alphabetisierung in der 33 Monate laufenden Kampagne vom März 2006 bis Dezember 2008 waren über 50.000 "Klassen" an insgesamt 28.458 "Alphabetisierungs-Punkten" in 327 Munizipien gebildet worden, die über das ganze Land verteilt waren. Die Regierung investierte dafür über 260 Millionen Bs. Diese Mittel wurden für Transporte, Unterkunft und Verpflegung der freiwilligen Helfer eingesetzt. Die große Mehrheit wurde in der spanischen Sprache alphabetisiert, aber immerhin 23.888 entschieden sich für die Alphabetisierung in Aymara und 13.599 in Quechua.
Die kubanischen und venezolanischen Helfer bildeten die Kampagnenleiter und Supervisoren aus. Das Prozedere der kubanischen Methode bestand darin, die Erwachsenen über ein Videoprogramm auszubilden - mit virtuellen Lehrern, die das Alphabet unterrichten, indem Buchstaben mit Zahlen verbunden werden. Dort wo ältere Menschen wegen Sehschwierigkeiten dem Programm nicht folgen konnten, wurde ihnen mit Linsenpaaren geholfen - die kubanische Regierung hatte 200.000 davon gespendet.
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ATAMIRI - Aymara als Grundlage eines vielsprachigen Übersetzungsprogramms
Eine bolivianische Antwort auf moderne Kommunikationsstrategien
In Aymara, der Sprache der Indigenen des bolivianischen und peruanischen Hochlandes, gibt es eine grammatische Verbform für "Ich komme", eine für "Ich komme nicht" und eine weitere für "Ich komme vielleicht oder auch nicht." Die Aymara-Grammatik ist hochkomplex und lässt sich in mathematische Algorithmen übersetzen. Das macht sie zu einer hervorragenden Ausgangsbasis des multilingualen Übersetzungsprogramms ATAMIRI (www.atamiri.cc), mit dem sich Sätze und ganze Texte elektronisch übersetzen lassen.
Der bolivianische Ingenieur Iván Guzman de Rojas hat bereits 1979 die geniale Idee gehabt, diese besondere Eigenschaft des Aymara zum Ausgangspunkt seines Programms zu nehmen. Iván ist Sohn des 1952 gestorbenen bolivianischen Malers Cecilio Guzmán de Rojas, Begründer einer indigenen Malschule und berühmt unter anderem durch sein Gemälde Cristo Aymara, ein Christus-Portrait mit indigenen Gesichtszügen. Immer wieder gab es Ausflüge aufs Land, in die Dörfer des Altiplano, zum Titicaca-See. Das hat nicht nur Zugang zur Aymara-Kultur möglich gemacht, sondern auch ein tiefes Verständnis für die Komplexität und Ausdrucksvielfalt dieser Sprache.
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Wo Stiere und Kartoffeln tanzen
Fruchtbarkeit, Tanz und Trachten in den bolivianischen Zentralanden
Der vorliegende Artikel basiert auf einem intensiven Bibliografie-Studium und der Analyse (teils selbst gedrehter) Video-Mitschnitte der drei autochtonen Tanz-Ereignisse Festival de Música y Danza Compi Tauca, Festival de Música y Danza des CDIMA und Anata Andina, wobei die angestellten Überlegungen und Nachforschungen Teil meines Dissertationsprojekts zum bolivianischen Tanz sind.
Alles dreht sich um die Kartoffel
Obwohl Phänomene wie Verstädterung und Landflucht auch vor Bolivien keinen Halt gemacht haben, wird die Wirtschaft der in den Anden gelegenen Bundesländer trotzdem nach wie vor von der Landwirtschaft dominiert. Die Kartoffel spielt hier eine ganz zentrale Rolle; sie ist nicht nur das wichtigste Grundnahrungsmittel der Bevölkerung, sondern auch ein Teil der (nicht nur) rural-indigenen Identität. So ist man als BolivianerIn generell stolz darauf, dass die Kartoffel aus der Titikaka-See-Region stammt und es im eigenen Land etwa 200 verschiedene Arten davon gibt. Diese Tatsache gibt allerdings auch Anlass zum Kampf gegen das Einheits-Saatgut transnationaler Konzerne: Viele Bauern versuchen mittlerweile, alte lokale Sorten wieder einzuführen bzw. weiter anzubauen und so zum Erhalt der enormen Biodiversität ihres Landes beizutragen. Weißen AusländerInnen gegenüber wird auch immer wieder ironisch bemerkt, dass die bolivianischen Kartoffeln Europa einst vor dem Verhungern bewahrt haben. Wie wichtig die Kartoffel für die Bevölkerung ist, lässt sich bereits an den Essgewohnheiten der Hochland-Bevölkerung ablesen - es gibt kaum eine Mahlzeit ohne Kartoffel und die gefriergetrockneten Chuños sind ebenfalls ein wesentlicher Bestandteil des Speisezettels.
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