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Auszüge aus den Beiträgen
Die
Kunst zu stolpern ohne zu fallen
Die Strategie der Regierung Sanchez de Lozadas, aus dem Tief der Februar-Unruhen
(s. BOL 133!) herauszukommen und mit Hilfe eines gigantischen Gas-Deals
neue Perspektiven für das Land zu gewinnen, ist vorerst gescheitert.
Bolivien befindet sich in einer allgemeinen Unruhe, die im "Krieg um
das Gas" gipfelt, der schon 9 Tote gefordert hat. Die Bereitschaft
einiger Gruppen zum Bürgerkrieg ist sichtbar geworden als Antwort auf
Repressionen und das Blutbad von Warisata. Die Regierung setzt zunehmend
auf Härte; weitere blutige Konflikte bis hin zum Staatsstreich Gonis
selbst (autogolpe) werden nicht mehr ausgeschlossen. Evo Mora-les' Auftritte
auf der internationalen Bühne machen die Regierung nervös.
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Die Nachricht zum Nationalfeiertag:
Boliviens Demokratie ist krank
Gustavo Guzmán
Der Präsident wollte mit einem neuen Koalitionspartner ins zweite Amtsjahr
gehen - und hat ihn gefunden. Jetzt ist die Regierungsmannschaft komplett.
Ahora sí, würde Banzer sagen. Ahora sí, Don Gonzalo?
25. Juli 2002: Der bolivianische Präsident Gonzalo Sánchez de
Lozada vom MNR und der Führer des MIR, Jaime Paz Zamora, unterzeichnen
im Hotel Presidente in La Paz die sogenannte "Übereinkunft für
Bolivien". Zwei "historische Feinde", die sich mehr als zehn
Jahre lang - in politischer Hinsicht - fertiggemacht haben, unterzeich-neten
ein "unvorstellbares" Abkommen - genauso bezeichnete der jetzige
Präsident auch den kürzlich geschlossenen Vertrag zwischen MNR
und NFR.
48 Stunden vor jenem 25. Juli 2002 hatte Óscar Eid Franco vom MIR
die beiden Führer von MAS und NFR, Evo Morales Ayma und Manfred Reyes
Villa, in ein Ho-tel in Cochabamba eingeladen. Man war zusammengekommen,
um "dem Gringo* eins auszuwischen" und ihn mit seinen mickrigen
22,4% der Wählerstimmen vom 30. Juni im Regierungspalast sitzen zu
lassen. Morales und Reyes Villa - letzterer hatte nach Bekanntwerden der
Wahlergebnisse ernsthaft damit geliebäugelt, mit dem MNR die Regierung
zu bilden - waren aus diesem Treffen praktisch mit der Überzeugung
he-rausgegangen, dass der MIR von Jaime Paz Zamora tatsächlich "dem
Gringo eins auswischen" wollte.
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Das Ende der "Neuen
Koka Politik" - Die Rückkehr der Illusion "Coca Cero"
Ein Licht am Ende des Tunnels
Nach Amtsantritt des Präsidenten Gonzalo Sánchez de Lozada im
August 2002 wur-den vielerorts Hoffnungen gehegt, die Antidrogenpolitik
des Landes werde nun end-lich in vernünftigere und vor allen Dingen
friedlichere Bahnen gelenkt.
Zwischen August und Dezember des vergangenen Jahres kam es wiederholt zu
Ver-handlungen der neuen Regierung mit den Cocalero Gewerkschaften, vertreten
durch ihren ersten Vorsitzenden und Abgeordneten des Movimiento al Socialismo
(MAS), Evo Morales.
Ziel dieser fast schon historischen Zusammenkünfte war die Ausarbeitung
einer neuen politischen Strategie bezüglich der Problematik rund um
den Kokaanbau in Bolivien. Fast schon historisch deswegen, weil seit langer
Zeit Regierung und Vertreter der Kokabauerngewerkschaften wieder an einem
Tisch saßen, um wesentliche Punkte einer neuen Politik zu verhandeln
und die "Geschichte der Koka" ein für allemal zu ändern.
Unter der letzten Regierung völlig undenkbar. Diskutiert wurden die
Forde-rungen der Kokaproduzenten :
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Botschafter der amerikanischen
Supermacht: Manuel Rocha und David N. Greenlee
Bolivien als "konfliktträchtiges Land" wird nach und nach
Spitzenadresse für US-amerikanische Elitediplomaten, besonders für
solche, die mit den Sicherheitsorga-nismen der Weltmacht liiert sind, wie
mit der Drogenbekämpfungsorganisation DEA oder dem Geheimdienst CIA.
Nach Manuel Rocha mit seinem bekannten Feld-zug gegen den Präsidentschaftskandidaten
des oppositionellen MAS (Movimiento al Socialismo, Bewegung zum Sozialismus)
Evo Morales trat nun Anfang Juni 2003 mit David Greenlee ein Mann die Nachfolge
an, der ebenfalls bereits seit Jahrzehnten für die amerikanische Supermacht
arbeitet und Bolivien selbst seit über 35 Jahren kennt. Im Folgenden
geben wir im Wesentlichen die in den genannten Quellen (s.u.) erwähnten
Fakten, Zusammenhänge und ihre Interpretationen wieder. Aus den zum
Teil jahrelangen Recherchen der genannten Journalisten ergeben sich deutliche
biographische Linien, die ein interessantes Licht auf die auch für
Bolivien bestim-menden Konzepte und Vorgehensweisen der Weltmacht Nr.1 werfen.
Im zweiten Teil erweitern wir die historisch-biographischen Notizen durch
Hinweise auf aktuelle Probleme im Verhältnis zur Supermacht: Das Interesse
Boliviens an Vollmitglied-schaft im Mercosur und der Sondervertrag Bolivien-USA
über die Gewährung von Straflosigkeit für US-Soldaten.
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1953 - 2003: 50 Jahre
nach der Agrarreform
Am 2. August dieses Jahres war exakt ein halbes Jahrhundert vergangen,
seitdem die "reforma agraria" in Kraft trat. Nach der Einführung
des allgemeinen Wahlrechts im Rahmen der nationalen Revolution vom Karfreitag
1952 - der zweiten auf dem la-teinamerikanischen Kontinent nach der mexikanischen
Revolution rund 40 Jahre zuvor - galt es, das dringlichste Problem des
Landes, die ungerechte Landvertei-lung, die einen landwirtschaftlichen
Fortschritt behinderte, zu beheben. Die Landre-form von 1953 blieb unvollendet.
Im Jahr 2003, 50 Jahre später, ist festzustellen: Neue Wirtschaftszwänge
verstärken alte Konflikte um Landbesitz und -nutzung und lassen neue
Spannungen entstehen. Heute sind vor allem angepasste politische Be-mühungen
gefragt, die neue Antworten auf neue Herausforderungen bieten.
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