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Auszüge aus den Beiträgen
Das Gespenst der "tercera
mobilización"
Die Regierung hatte sich vorgenommen, die für 2001 zu erwartenden
Konflikte durch "Dialog und Autorität" im Keime zu ersticken,
aber sie ist durch bedeutende personelle Verluste und durch kleinkarierte
Streitigkeiten und Machtkämpfe zwischen den Koalitionspartnern erheblich
geschwächt. Der "systemischen" großen Oppositionspartei
MNR des ehemaligen Staatspräsidenten Sánchez des Lozada missglückte
aber ein Manöver zur vorzeitigen Ablösung Banzers. Den Gewerkschaften
und anderen Interessenverbänden gelang es über Monate nicht,
zu einer schlagkräftigen Einheit zu kommen, vielmehr war der Gewerkschaftsdachverband
COB schwach und die Bauerngewerkschaft CSUTCB fast ein halbes Jahr lang
gespalten. Dennoch entwickelte sich seit Ende März wieder eine landesweite
Unruhewelle. Die von Felipe Quispe, el Mallku im Oktober ins Auge gefasste
"dritte Mobilisierung" nahm Ende April deutliche Formen an.
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Überschwemmungen
im gesamten Land
Dieses Jahr brach die Regenzeit den Rekord des letzten Jahrzehntes. Dies
führte zu immer mehr Überschwemmungen im ganzen Land, bei denen
ganze Dörfer und Stadtviertel unter Wasser gesetzt wurden, Häuser
weggerissen wurden und die Straßen unterbrochen waren. Die Regierung
erließ am 24. Januar ein Katastrophengesetz, und bat um internationale
Hilfe. Die Zahl der betroffen Familien, die noch Ende Januar auf 13.500
geschätzt wurde, stieg bis März auf etwa 50.000 Familien an.
Nach Angaben des Nationalen Katastrophendienstes (SENADECI) sind 313.270
Menschen Opfer der Überschwemmungen geworden: La Paz (117,030 Personen)
und Cochabamba (77,860 Personen) zählen zu den am meisten betroffenen
Departements (World Relief web, 19.3.2001), aber auch alle anderen Departements
waren betroffen.
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Ministeraustausch
Am 13. Januar dieses Jahres trat Wálter Guiteras (ADN) von seinem
Amt als Minister im Präsidentenamt zurück. Marcelo Pérez
Monasterios (ADN) übernahm seine Amtsgeschäfte. Dem Rücktritt
waren bewegte und spekulationsreiche Zeiten vorangegangen, in denen es
fast unmöglich war, festzustellen, wo nun genau die Wahrheit lag.
Eines aber verdeutlichte sich in dieser Krise: Hinter den bolivianischen
Methoden, Probleme auf dem "kurzen und informellen Dienstweg"
zu lösen, stehen handfeste persönliche und wirtschaftliche
Interessen und Konflikte.
Am 3. Januar dieses Jahres berichtete die Zeitung "Extra", Wálter
Guiteras habe am Vortag seine Frau und seine Tochter in seinem Haus im
Stadtteil Cota-Cota von La Paz in betrunkenem Zustand geschlagen. Lourdes
Arias de Guiteras habe die Polizeiwache aufsuchen müssen, um vor
ihrem Ehemann Schutz zu finden. Der Fall sei angezeigt und Guiteras von
der Abteilung zum Schutz der Familie (Brigada de la Protección
a la Familia) kurzzeitig festgenommen worden. Per Anweisung aus dem Regierungspalast
sei ein Informationsverbot verhängt worden. Nach seiner Freilassung
habe Guiteras den beiden Streifenpolizisten, die den Fall aufnahmen, Vergünstigungen
in Aussicht gestellt, um die Aufnahmeprotokolle verschwinden zu lassen.
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Der erste bolivianische
Kardinal
Zum ersten Mal wurde ein gebürtiger Bolivianer zum Kardinal ernannt.
Es erfüllte das Land und die Katholiken Boliviens mit Stolz und Freude
, dass der Erzbischof von Santa Cruz, Julio Terrazas Sandoval den Kardinalsrang
erreicht hat.
Zuvor war nur José Clemente Maurer, der deutscher Abstammung war,
1967 zum Kardinal ernannt worden. Um so mehr wurde mit Genugtuung vermerkt,
dass nun erstmalig ein einheimischer Bischof die Kardinalswürde erlangt
hat. Ebenso wie der Mainzer Bischof und Vorsitzende der katholischen Deutschen
Bischofskonferenz Karl Lehmann wurde auch Julio Terrazas erst durch eine
Reihe von Nachnominierungen "in letzter Minute" in den Kardinalsrang
befördert.
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Der mysteriöse Tod
von Banzers grauer Eminenz
Nach dem skandalträchtigen Abgang seines wichtigen Ministers im Präsidentenamt
Wálter Guiteras (u.a. Vertuschungsversuch seiner gewalttätigen
Ehestreitigkeiten durch Polizistenbestechung, siehe den Artikel dazu in
diesem Heft!) verlor Hugo Banzer Suárez nun auch seinen jahrzehntelangen
Mitstreiter und wichtigsten Berater Alfredo Arce Carpio (60).
Am Samstag, den 10. Februar 2001wurde der Körper eines der einflussreichsten
Männer in der Umgebung Banzers, Alfredo Arce Carpio - seines Zeichens
"rechte Hand" des Staatschefs und als persönlicher Berater
im Präsidentenamt mit den wichtigsten juristischen, politischen
und auch wirtschaftlichen Fragen betraut -, leblos, aber in halb sitzender
Position auf den Stufen der Angélica-Azcui-Gasse im Armenviertel
Callampaya (Stadtteil Villa Victoria) von einem Bewohner des Elendsviertels
aufgefunden. Die Funkstreife 110 wurde alarmiert, die Abteilung Tötungsdelikte
der Kripo La Paz nahm ihre Arbeit um 8 Uhr auf, aber da bei dem gut gekleideten
Toten keine Personalpapiere und keine Geldbörse gefunden wurde, konnte
er erst 24 Stunden nach seiner Überführung in die Leichenhalle
des Hospital de Clínicas voll identifiziert und danach am Sonntag
gegen Mittag zu seinem Wohnsitz in der Calle Las Retamas im Stadtteils
La Florida verbracht werden. Noch gab es nur Vermutungen über die
Todesursache des prominenten Toten.
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