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Auszüge aus den Beiträgen
Ein sozialer Sturm rüttelt
an den Grundfesten des Landes
Soziale Unruhen, Proteste und Blockaden, wie es sie in ihrer Intensität
und Länge seit dem Kampf gegen die Diktaturen nicht mehr gegeben
hat, erschütterten das soziale, wirtschaftliche und politische Gefüge
Boliviens. Nur ein halbes Jahr nach Verhängung des Ausnahmezustands
(siehe BOL 124, S.3-20) griff Präsident Bánzer erneut zu den
Mitteln militärischer Repression. In erbitterten Kämpfen starben
14 Bauern, über 140 wurden verletzt; später wurden auch einige
Soldaten entführt und getötet. In den Verhandlungen mit den
Bauern gab die Regierung schließlich fast in allen Punkten nach.
Der Lohnkampf der Lehrer ging weniger günstig aus. Bánzer
bildete sein Kabinett um. Der Kampf um die endgültige Beseitigung
der Kokapflanzungen wurde von beiden Seiten kompromisslos weitergeführt,
die Entstehung einer "Narco-Guerilla" auch in Bolivien wird
für möglich gehalten. In der Gestalt des Bauernführers
und Verfechters einer Aymara-Nation Felipe Quispe Huanca, genannt "el
Mallku" (der Kondor), erwuchs dem politischen Establishments Boliviens
ein mächtiger Gegenspieler.
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Chronologie
des Nationalen Dialogs II
Berichte einer Insiderin
Irene Tokarski ist Mitarbeiterin der bolivianischen Bischofskonferenz.
Sie hat an den Verhandlungen des Nationalen Dialogs II als Koordinatorin
des "Foro Jubileo", der Delegation der katholischen Kirche
im Nationalen Dialog, teilgenommen und schildert hier ihre persönlichen
Eindrücke des Verhandlungsverlaufs und der sozialen Situation Boliviens
in schweren Zeiten.
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CEREC0 - Rehabilitationszentrum
in Cochabamba
von Wolf Dieter Wiebach
Vom 29.03.1999 bis 31.05.1999 arbeitete ich in Cereco in Cochabamba/Bolivien.
Cereco: das bedeutet "Centro de Rehabilitación Cochabamba".
Doch bevor ich Näheres zu Cereco berichte, einige Ausführungen
zum Stand der Sonderpädagogik in Bolivien: Die Sonderpädagogik
ist in Bolivien keine Luxusproblematik mehr. So gibt es eine staatliche
Koordinierungsstelle auf nationaler Ebene mit Unterordnungen auf departamentaler
Ebene. In allen "departamentos" gibt es Zentren für Menschen
mit Behinderungen, aber nur dort. Auf dem Land und in periurbanen Regionen
existieren keine Angebote für behinderte Menschen, so dass dort keine
(Früh )Erkennung, (Früh )Erfassung und (Früh )Förderung
für diese Menschen vorhanden ist. Im übrigen befindet sich
keins dieser Angebote in staatlicher Trägerschaft. Eine formalisierte
Ausbildung für Sondererziehung existiert nicht. Die unterrichtenden
Lehrer besitzen die übliche Lehrerausbildung (wenn überhaupt!)
und haben sich in Weiterbildungskursen das notwendige Rüstzeug angeeignet.
Seit Mai 1995 besteht auch die Möglichkeit eines zweijährigen
Fernstudiums mit Abschluss. Die Sondererziehung für geistig behinderte
Menschen ist am wenigsten entwickelt. Von den 256.000 Menschen mit geistiger
Behinderung (das sind die üblichen 4% der Bevölkerung eines
Landes) erhalten lediglich 200 eine entsprechende Erziehung (= 0,62%).
In die üblichen Schulen werden sie nicht aufgenommen. Denn für
sie ist keine Institution der Bildung zuständig, sondern das medizinische
Personal. Doch nun zu CERECO: Es ist eine der größten und bedeutsamsten
Einrichtungen der Sondererziehung in Bolivien, eine private Einrichtung,
die staatliche Unterstützung erhält. Knapp die Hälfte der
Lehrer wird vom Staat bezahlt. CERECO wurde vor 24 Jahren aus zwei Krankengymnastikräumen
gegründet, und zwar von der seit nunmehr über 60 Jahre in Bolivien
lebenden Deutschen Frau Eva Marcus. Mit Hilfe der Unterstützung eines
Geistlichen, des Padre Leon Connolly, entstand dann der Bau eines Hauses.
Kontrolliert von der staatlichen "Coordinación de educación
especial" steht ihm ein sog. "directorio" vor, gewissermaßen
ein Aufsichtsrat mit 7 gesellschaftlich anerkannten Persönlichkeiten
der Stadt Cochabamba.
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"Alle Jahre
wieder
" - Weihnachten in La Paz
Vorweihnachtliche Stimmung, Gepflogenheiten und Bräuche bei Bolivianern
und Deutschen
Advent, so heißt es in Deutschland, sei die "schönste
Zeit des Jahres". In Bolivien kennt man dies nur vom Hörensagen.
Die Adventszeit mit Kranz und vier Kerzen gibt es nicht. Auch der Brauch
mit den blank geputzten, herausgestellten Stiefeln zum Nikolaus ruft dort
nur Staunen hervor. Wohl aber bereitet man sich - wie überall auf
der Welt - auch im Andenhochland auf das Weihnachtsfest vor.
Die Zeit vor Navidad: Frauen stricken, um farbenfrohe und wärmende
Pullis für die immer kühlen Nächte in La Paz noch rechtzeitig
zum Fest auf dem Gabentisch zu legen. Kinder ziehen mit großen Augen
zu den Weihnachtsmärkten der Hauptstadt. Hier finden sich sorgsam
auf Tüchern ausgebreitet Krippenfiguren mit Jesuskind - El Niño
- samt Stall und Ochs und Eseln. In unterschiedlichsten Größen
und Preislagen. El Nacimiento - die Weihnachtskrippe - gehört für
viele Familien zur weihnachtlichen Tradition. Jahr für Jahr wird
sie liebevoll aufgebaut und geschmückt. Ab und an kommen neu erstandene
Figuren vom Weihnachtsmarkt hinzu. An diesen Wochenenden sind die Märkte
von La Paz besonders gut besucht. Auch viele Campesinos vom Altiplano
zieht es in der Zeit vor Weihnachten in die Stadt. Man muss Geduld mitbringen,
Stoßen und Drängen ertragen und sich schlicht im Strom der
Menge treiben lassen. Es gibt viel zu bestaunen. Wünsche werden wach.
Stände locken mit duftenden Speisen und heißen Getränken.
Übereinander getürmte Puppen, Kuscheltiere und Spielzeugautos
lassen Kinderherzen höher schlagen. Das ist in La Paz nicht anders
als in Deutschland. Nur, dass in Bolivien die Wünsche der Kinder
nicht so oft in Erfüllung gehen. Und mancher muss sich selbst kleiner
Gaumenfreuden enthalten... Dennoch ist Weihnachten in La Paz nicht minder
ein Erlebnis als im kaufkräftigen Deutschland.
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