Bolivia Nr. 125
erschienen am 31. August 2000 - 64 Seiten

Inhalt
Viele Ratschläge an die Regierung: Der Nationale Dialog endete mit vielen Reformvorschlägen
Die Armut wird zum Thema
Der neueste Coup des Gonzalo Sánchez
Oscar Eid wrde zum politischen Tod verurteilt und hält sich in der Partei MIR zurück
Ehrung für Juan Lechín Oquendo
Die COB in Vergangenheit und Gegenwart
Militärs: Die Armee ist korrupt, unrechtmäßig und ohne Visionen
Bolivia.com Bolivien entdeckt den Tourismus
Eine falsche Berechnung reduziert das indigene Territorium
Gran Poder - "Des Großen Macht"
Ein Hindernislauf durch die bolivianische Bürokratie
Luis Guachalla - ein Auserwählter oder ein betrügerischer Magier?
Projekt "Stromgenerator für die Schule und das Dorf Ipitacito del Monte" (Santa Cruz)
Kurzmeldungen

 

© Bolivia SAGO Informationszentrum e.V.


Auszüge aus den Beiträgen

Viele Ratschläge an die Regierung: Der Nationale Dialog endete mit vielen Reformvorschlägen
Der Diálogo werde ein neues Bolivien schaffen. So waren noch Anfangs des Jahres die Hoffnungen der Regierung. Doch der Beginn des Diálogo Nacional (Nationaler Dialog) Anfang des Jahres war dann doch nicht ganz planmäßig: Nach den Wasserprotesten in Cochabamba bei dem das Militär auf die Bevölkerung schoß, einem im gesamten Land verhängten Ausnahmezustand und der Verhaftung vieler Gewerkschaftsführer konnte an war die Stimmung im Land nicht so dialogfähig.
So wurde er zunächst um mehrere Wochen verschoben und begann dann etwas überstürzt im Juni mit Runden Tischen aller Vertreter der Munizipien. Schließlich geht es um viel Geld: Der Schuldenerlaß für Bolivien beläuft sich auf 1.400 Mio. US $, über einen Zeitraum von 15 Jahren (HIPC II), es stehen also ca. 100 Mio. US $ jährlich zur Verfügung. Diese Mittel müssen im Kampf gegen die Armut eingesetzt werden, die Zivilgesellschaft soll bei der Formulierung des Planes gegen die Armut mit beteiligt werden, und auch die Verwendung der Mittel mit kontrollieren, so die Auflagen der internationalen Gläubiger.
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Die Armut wird zum Thema
Es ist nicht neu, dass Bolivien zu den ärmsten Ländern gehört, neu ist vielmehr, dass die Armut zu einem wichtigen Thema der öffentlichen Diskussion geworden ist, dass sich Parlamentarier, Zeitungen, selbst der Internationale Währungsfonds diesem Thema widmen und nach Auswegen aus der schier endlosen Krise suchen.
Der Nationale Dialog II und seine Datenbasis
In der Sonntagsbeilage der Tageszeitung "La Razón" (La Paz) lobt der politische Analytiker, zugleich Sprecher des Nationalen Wahlgerichts (Corte Nacional Electoral, CNE) Jorge Lazarte die international anerkannte und vielversprechende Praxis der "Nationalen Dialoge". Schon im "Nationalen Dialog I" (s.BOL 118/119, S.12 ff.) kurz nach der Wahl Bánzers im Oktober 1997 hätte sich die "Zivilgesellschaft" als Akteur konstituiert, indem sie ihre Stimme hören ließ. Dort wo die vom Gesetz vorgegebenen Instanzen ein Vakuum im Meinungsaustausch und Repräsentativitätslücken zuließen, diene die Einrichtung des Nationalen Dialogs einer offenen und demokratischen Kommunikation zwischen allen.
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Der neueste Coup des Gonzalo Sánchez
Mit einem überraschenden "Gipfeltreffen" des Chefs der größten Oppositionspartei mit Staatschef Bánzer wurde möglicherweise ein neues Kapitel der bolivianischen Innenpolitik aufgeschlagen und der Wahlkampf für die Präsidenten- und Parlamentswahlen des Jahres 2002 frühzeitig eröffnet.
Eine lange, schwierige Geschichte zwischen dem gegenwärtigen Präsidenten Hugo Bánzer Suarez von der Nationalistischen Demokratischen Aktion (Acción Democrática Nacionalista, ADN) und seinem direkten Vorgänger im Amt Gonzalo Sánchez de Lozada von der Nationalen Revolutionären Bewegung (Movimiento Nacional Revolucionario, MNR) fand mit dem Spitzentreffen der beiden ein versöhnliches Ende. Die Geschichte begann damit, dass die ADN mit dem MNR 1985 ein politisches Abkommen schloss, in welchem die beiden Parteien versprachen, sich durch gegenseitige Unterstützung in der Führung des Landes abzuwechseln. Bánzer hielt sein Versprechen und unterstützte Víctor Paz Estenssoro. 1989 hielt sich aber der erfolgreiche Finanzminister Sánchez, dem es gelungen war die Hyperinflation (der Zeit vor 1985) zu beseitigen, nicht mehr an diese Abmachung, stürzte sich in den Wahlkampf und errang einen knappen (relativen) Sieg - vor Bánzer. Nun wiederum unterstützte Bánzer den lachenden Dritten, eigentlich einen "natürlichen" politischen Gegner, nämlich den Chef der Bewegung der Revolutionären Linken (Movimiento de Izquierda Revolucionaria, MIR), dessen Partei erfolgreich gegen die Militär-Diktaturen gestritten hatte. Der Wahlkampf 1993 endete mit einem Sieg von Sánchez und einer klaren Niederlage von Bánzer, der danach erst mal aus der Politik aussteigen wollte, aber bald - für seine Partei unentbehrlich - in die politische Arena zurückkehrte. 1997 gewann Bánzer und schmiedete mit MIR, Bürgerlicher Einheit Solidarität (Unidad Cívica Solidaridad, UCS) und Gewissen des Vaterlandes (Conciencia de la Patria, CONDEPA) die größte aller möglichen Koalitionen - und versperrte damit dem MNR den Weg zum (Mit-)Regieren.
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Oscar Eid wrde zum politischen Tod verurteilt und hält sich in der Partei MIR zurück.
Der Mann, der in der Partei "MIR" bekannt geworden ist, sagte, dass er keinen Posten der Partei mehr antreten wird. Er ist mit dem Urteil nicht einverstanden, aber akzeptiert es. "Ich werde die Strafe hinnehmen, ohne dass ich ein Verbrechen beging." Der Ex-Präsident Jaime Paz und Vorsitzender der MIR sagte, dass dies ein politischer Prozess gewesen sei, um den Gegner zu eliminieren. Er sagte, dies sei eine Strafe ohne Verbrechen. Die Partei MIR wollte das Urteil immer noch anfechten.
Der Oberste Gerichtshof ratifizierte am 16. Juni 2000 das Urteil des zuständigen Gerichtes für Drogenhandel von La Paz, das am 04. November 1996 Oscar Eid verurteilte für die Aufdeckung des Drogenhandels. Das urteil lautete 4 Jahre Haft. Eid verbüßte bereits seine Strafe in dem Gefängnis "San Pedro". Dies bedeutet, dass er nicht mehr ins Gefängnis muss. Aber mit der Ratifizierung des Urteils verliert er seine politischen Rechte. Er durfte keinen Posten in der Partei und in der Gesellschaft mehr annehmen.
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Ehrung für Juan Lechín Oquendo
Der jahrzehntelange Chef des Gewerkschaftsdachverbandes und der Bergarbeitergewerkschaft und zugleich einer der führenden Figuren der bolivianischen Revolution von 1952 Juan Lechín Oquendo wurde jetzt im Auftrag des gegenwärtigen Staatschefs General Hugo Bánzer Suarez mit der höchsten Auszeichnung des bolivianischen Staates, mit dem "Kondor der Anden" (Condor de los Andes) dekoriert. Gleichzeitig wurde eine neue Medaille auf den Namen Lechíns kreiert.
Im Auftrag des höchsten Mandatsträgers wurde Juan Lechín am internationalen Tag der Arbeit (1.Mai) 2000 mit der höchsten zu vergebenden Medaille des bolivianischen Staates ausgezeichnet - und zwar : für seine Unterstützung der Gewerkschaftsbewegung und der Arbeiterkämpfe in über 35 Jahren. Laut Arbeitsminister Luis Vásques war Lechín "einer der historischen Führer der höchsten gewerkschaftlichen Instanz in Bolivien, dessen Werk den Arbeitern zugute kam. Seine Gegenwart war grundlegend im Laufe der Entwicklung der Gewerkschaftsbewegung von 1952 bis heute."
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